Agil im Team – Fünf Fragen an Judith Andresen – Arbeitsschutz in der IT

Von Judith Andresen
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Teamwork in agilen Projekten - Judith Andresen

Nur als Team schaffen wir es Arbeitsbedingungen, Softwarequalität und uns selber zu verbessern. In unserer Blog-Post Reihe „5 Fragen an…“ haben wir diesmal Judith Andresen – Agile Coach aus Hamburg – im Interview. Judith hat seit einigen Jahren ein eigenes und erfolgreiches Team für die Beratung von Teams. Schwerpunkte sind hier die Organisationsentwicklung mit agilen Transisitionen, Führungskräftecoaching und natürlich der eigentlichen Teamentwicklung. Die ist auch eine bekannte Speakerin in der IT-Szene und Autorin.

Arbeitsschutz in der IT – was denkst du darüber?

Arbeitsschutz in der IT ist wichtig. Arbeitszeiten, insbesondere zum Projektende hin, Stress und Druck sind große Faktoren, die Gesundheit negativ beeinflussen können und oft auch werden. Programmierer und Programmiererinnen sitzen viel — vernünftige Stühle oder Stehpulte sorgen für einen gesunden Rücken. Arbeitsschutz klingt für viele erstmal wie “alte” Welt. Die Frage aber. wie sollte mein Arbeitsumfeld sein, damit ich hier gesund meine Zeit verbringen kann, ist aktuell. Was aber auch zum Arbeitsschutz gehört: wie kommen die Aufgaben zu mir? Wenn das Ticketsystem ständig “überläuft”, droht das Ausbrennen der Beteiligten. “Es hört nie auf” denken dann einige, und diese Ohnmacht fördert den BurnOut. Arbeitsschutz ist also ein wichtiges Thema, das alle angeht. Die Organisation als Solches, die Vorgesetzten, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Alle müssen sich fragen: was ist mein Beitrag dazu, dass wir hier gesund miteinander umgehen — und dass die Umstände gesund sind.

Auf deiner Internetseite steht, dass Ihr echte Zusammenarbeit im Team erreichen möchtet. Was ist das?

Es gibt viele Gruppen, da steht Team drauf, da ist aber nicht Team drin. Echte Zusammenarbeit bedeutet, dass eine Gruppe zusammen ein Ziel erreicht. In die Stärken der Beteiligten hineinarbeitet, um die Schwächen einzelner weiß und damit gut umgehen kann. Echte Zusammenarbeit heißt, Strategien zum Wissenstransfer und -aufbau in einer Gruppe zu entwickeln. Nach meinem Verständnis ist dies vor allem dann möglich, wenn sich Gruppen nicht nur verbindlich, sondern verletzlich vertrauen. Gruppen kommen nicht von heute auf morgen in eine echte Zusammenarbeit. Die Teams, die sich auf den Weg machen, werden zufriedener und erfolgreicher sein als andere — und unter anderem mit äußerem Druck besser umgehen als Gruppen, die sich nur Teams nennen.

“Ab morgen wird alles besser. ” Was sind die ersten Schritte im Team und wie messe ich denn Fortschritte beim Teamwork?

Erfolg im Team – Judith Andresen – Arbeitsschutz in der IT

Vielleicht in dem ich nicht morgen starte, sondern heute. Teams sollten für sich einen Zielraum vereinbaren, wie sie miteinander arbeiten möchten — und was sie als Team erreichten möchten. Über regelmäßige Reviews + Retro definieren die Teams Experimente, wie das aussehen könnte. Über “Machen” in der nächsten Iteration bekommen sie heraus, ob ihre Annahmen stimmten. Wenn ja, werden sie die Experimente zu Prozessschritten oder Teamregeln machen. Was die ersten Schritte sind, hängt vom Ist-Stand des Teams und dem definierten Zielraum ab. Wenn Teams noch keinen Zielraum haben, sollten sie den gemeinsam definieren. Und für das eine Team sind Feedbackmatrizen das richtige Experiment, um Feedback- und Lernfähigkeit zu erhöhen. Für andere Teams ist als erster Schritt wichtig und richtig, dass sie jeden Tag um 11.00 Uhr in einem Daily Standup nicht nur die drei Standardfragen, sondern die vierte Frage nach ihrer Stimmung beantworten, um mehr Empathie füreinander aufzubauen. Andere Teams einigen sich als ersten Schritt auf eine “Post-Mortem-Regel” und lernen so diszipliniert, begangene Fehler schnell und vorwurfsfrei zu identifizieren und einen positiven Umgang damit zu finden. Welche Schritte ein Team geht, hängt vom Team und dessen Zielraum ab. Für alles gilt: “weniger ist mehr”. Kleine Veränderungen sind einfacher zu machen als große. Eine Regel ist einfacher umzusetzen als ein ganzes Framework.

Agil: hier gibt es auch viele Scharlatan-Experten – wie hat sich der Ruf von Agil in den letzten Jahren entwickelt, und warum tut es sich in der Umsetzung so schwer?

Agil im Team - Judith Andresen - Agile Coach
Agil im Team – Judith Andresen – Agile Coach

Scharlatane wäre nicht mein Wort. Aber es gibt da draußen sogenannte agile Coaches, die versuchen, durch Cargo Cult die agile Herangehensweise zu implementieren. Es ist nicht wichtig, ob ich David Andersons “Kanban”-Buch oder dem Scrum Guide in allen Details folge — es ist wichtig, ob ich eine Methode im Team finde, mit der ich das gesteckte Teamziel erfolgreich und gut erreichen kann. Wer nach „Best Practices“ sucht und/oder diese trainiert, macht Cargo Cult. Das wird in vielen Fällen nicht den Teams dienen. Zusammen als Team einen guten Weg zu finden, heißt, mögliche Wege auszuprobieren und gemeinsam zu lernen. Das ist ein gemeinsamer, manchmal anstrengender, Prozess. “Selbstorganisation” fordert das agile Manifest. In die Verantwortung für die Art und Weise der Arbeit zu gehen, ist sicherlich für viele Menschen ungewohnt. Häufig sind wir daran gewöhnt, das Arbeitsumfeld hinzunehmen. Agil zu arbeiten, heißt gemeinsam zu entdecken, auszuprobieren und zu lernen. Und für die Lösung einzustehen. Das will viel von den Beteiligten. Manchmal mehr, als diese bereit sind, in der Arbeit zu investieren — wenn dem so ist, wird agil scheitern.

Scheitern ist ein großes Wort. Wann gelingt die Einführung von agilem Arbeiten im Team?

Ich komme zurück zur Selbstorganisation und zur Eigenverantwortung. Agil zu arbeiten heißt iterativ, inkrementell und lernend zum Kundennutzen zu liefern. Wenn Teams dazu Lust haben, sich auf einen Zielraum einigen können, werden sie auch über viele kleine Experimente ihren Weg in die Agilität finden. Wer den Mut hat, kleine Schritte zu gehen und sich auszuprobieren, wird das hinbekommen. Es lohnt sich. Echte Zusammenarbeit macht sehr viel Spaß!

5 Fragen an…meldet euch und macht mit – wir wollen die Arbeitsbedingungen in der IT verbessern

Schlechte Softwarequalität macht krank, aber der Kunde will das einfach nicht zahlen. Beides ist bekannt und wir versuchen Argumente zu finden, damit wir nachhaltige und gute Software entwickeln dürfen. Mit dieser Serie hier möchten wir Meinungen und Blickwinkeln zu dem Thema veröffentlichen. Dabei ist das Ziel vor allem aufzuzeigen, warum es sich lohnt in bessere Arbeitsbedingungen zu investieren. Hier ist jeder gefragt und nicht nur Entwickler dürfen hier ihre Meinung äußern. Wenn auch ihr 5 Fragen bekommen wollt, dann meldet euch einfach über unsere Social Media Kanäle.

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