Der Nerd – Autospot – Der Kunde sagt, ohne Gurt fahre ich besser Auto – Das Thema ist größer als die IT

Von Roland Golla
4 Kommentare
Der Nerd Vollgas der Kunde zahlt das schon

Wer kennt das nicht? Was der Kunde sagt wird gemacht, denn er ist schließlich König und nur dann wird auch bezahlt. Es freut mich sehr, dass wir mit den zwei neuen Nerd-Spots eine deutlich größere Zielgruppe erreichen. So können wir das ganze Thema über den Tellerrand der IT hinweg betrachten. Denn gerade im Marketingagentur-Umfeld gibt es ja ganz viele Stunden, die ohne Bezahlung in kürzester Zeit immer wieder chaotisch abgeliefert werden müssen. In dem Kontext hört man immer wieder das Wort “Pitch”. Und gefühlt hat nicht nur die digitale Branche hier ihr Selbstvertrauen und auch ihren Verstand verloren. Wir sind ja schon so ferngesteuert, dass die vom Kunden verschuldete Erfolglosigkeit seiner Kampagnen, Internetseiten und sonstigen Maßnahmen gute Leute in unserer Branche nach unten drückt. Dabei sollten wir uns doch alle entfalten und mit den Erfolgen des Kunden gemeinsam entwickeln. Ich rede hier auch gerade von unseren Freunden aus Artwork und natürlich auch vom Text. Lasst uns alle bitte besser vernetzen und Kooperationsprojekte entwickeln. Einen runden Tisch dazu werden wir schon finden. Wir brauchen auch mal ein übergreifendes Meetup.

Wir sind die Guten, wir sind es wert und wir haben tolle Chancen im Startup-Land

Das ist doch überall schlimm, da bleibe ich doch lieber hier. Entwickler können natürlich zur Zeit aus den vollen im angespannten Arbeitsmarkt schöpfen und sich praktisch alles aussuchen und rausnehmen. Viele andere und auch wirklich gute Leute können das leider nicht. Gerade mit zunehmenden Alter wird der Markt deutlich härter. Solche Leute lassen sich eben weniger rumkommandieren. Sie sind nicht unbedingt zu teuer, verschieben aber keine Urlaube mehr oder opfern Wochenenden, um die (un)nötige Flexibilität mitzubringen. Dabei sind es genau die Leute, die andere Leute in ihre Position gebracht haben. Ein Leben am Dispolimit mit Mitte 40, wo wir eigentlich genug zu tun haben. Und wir könnten doch noch viel mehr leisten, wenn wir nicht immer von außen gebremst würden. Dabei gibt es wirklich so gute Startup-Programme und Förderungen. Beispielsweise direkt vom Arbeitsamt bekommt man Existenzgründungszuschuss von 80% des letzten Gehaltes für ein halbes Jahr. Genug Zeit den Kopf frei zu bekommen, sich auf eine neue Nische zu spezialisieren und erste Kunden aufzubauen. Ich habe das mit Hilfe der IHK Duisburg und eines persönlichen Netzwerks gemacht Bitte geht einmal raus zu Startup-Events, wie dem Startupdorf in Düsseldorf, dem Ruhr Summit in Bochum und Events der Wirtschaftsförderung. Mir hat das sehr geholfen und ich stehe da gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Wir gehören alle zusammen und sind eine große Kommunikationsbranche – von der IT kann die Kraft ausgehen

Arbeit macht Arbeit, gute Arbeit macht noch mehr Arbeit und exzellente schafft Arbeitsplätze. Es gibt genug Aufträge und Kunden. Es sind die besten Zeiten für PHP-Freelancer seit Gründung des Internets. Alles geht deutlich nach vorne. Tolle Startups kommen jede Woche neu auf den Markt und brauchen den kompletten Service. Es ist auch nicht mehr so, dass große Kunden nur große Agenturen wählen und kleine nie an gute und nachhaltige Aufträge kommen würden. Ganz im Gegenteil – große beauftragen gerne kleine Teams, damit auch mal was fertig wird. Und das ist eine starke Chance. Wir müssen eben keinen Wasserkopf mitfinanzieren und Stunden verkaufen. Wir können gute Arbeit leisten und anbieten. Dabei gehen Programmierer, Designer und Texter doch Hand in Hand. Denn gerade die Startup-Branche braucht uns. Immer wieder höre ich auch von Steuerberatern, Rechtsanwälten und anderen zahlungskräftigen und lösungsorientierten Kunden, dass Webagenturen für sie nicht mal mehr Angebote erstellen. Alles unter wirklich sportlichen Beträgen wird gar nicht mehr bedient und links liegen gelassen. Das ist unsere Chance. Lasst uns da mal drüber sprechen.

Wer soll gute Arbeit von motivierten Entwicklern verbieten dürfen – Der Kunde zahlt das nicht, der Kunde will das nicht

#NCADiscussion Kunde vs Coder
#NCADiscussion Kunde vs Coder

Niemand will gerne Geld für irgendetwas bezahlen. Dazu kommt natürlich immer noch der Sohn vom Nachbarn, der Logos entwickelt, WordPress-Shops programmiert, Texte schreibt und natürlich Fotos und Videos produziert. Ja, es gibt immer jemanden, der das für die Hälfte des Geldes in zwei Tagen abliefert. Oder das zumindest glaubhaft behauptet. Was aber ist denn, wenn jemand echtes und gutes Geld investieren möchte. Im Jahr 2015 wollte ein Duisburger Autohaus die Kundenbindung mit dem Fokus der Werkstatt-Abwicklung automatisieren. Also eine Art CRM, dass Kunden u.a. via Whatsapp benachrichtigt, wenn Autos zur Reparatur müssen oder abgeholt werden können. Das Autohaus war bereit hier eine größere Summe zu investieren und bekam nach einer Agentur-Akquise über ein Social-Media-Portal über 30 Angebote. Die Angebote waren von der Qualität her sehr unterschiedlich. Man versuchte dann, daraus 10 auszuwählen und hat mit denen dann über Preise u.a. der Mitbewerber gesprochen. Darauf hin haben sich alle unterboten und das Autohaus irgendwann einen Preis festgelegt, sonst hätte das in ihren Augen kein Ende gefunden. Aus diesen beiden Geschichten können wir nur eins lernen – wir wollen das nicht. Und deshalb lasst uns die Wahrheit ans Licht bringen und gegenseitig helfen. Dafür stehen alle Kanäle von Never Code Alone zur Verfügung und gerne auch mal ein Meetup ohne Code und Nerdy Shit.

Leute drücken geht nur in der Festanstellung, es sei denn wir werden unsere eigenen Chefs

Seit Sommer 2018 bin ich Vollzeit-Freelancer und habe davor überwiegend in Digital-Agenturen für E-Commerce Projekte gearbeitet. Da ich mich seit 2014 auf das Thema “Softwarequalität” spezialisiert habe, tue ich mich sehr schwer damit Software ohne Leidenschaft und Passion abzuliefern. Das hat immer wieder zu Konflikten mit Vorgesetzten geführt. Dinge sollten eben fertig und nicht schön werden. Das Ganze hat mich dann wahnsinnig gemacht. Der Rest ist die Geschichte eines Nervenzusammenbruchs und der Gründung von Never Code Alone. Jetzt bin ich frei und wenn mir etwas nicht passt, dann muss ich das nicht machen. Chefs und Kunden können mir nicht sagen, dass ich im Symfony 2 Framework bleiben muss und nicht auf Version 4 aktualisieren darf. Und auch Projektzeiträume von ursprünglich 3 Monaten müssen bei mir nicht auf einmal in 1 Monat erledigt werden, weil der Kunde 8 Wochen Urlaub gemacht hat und das Angebot mit Deadline September nicht freigegeben wurde. Wäre ich aber in einer Festanstellung hätte ich in beiden Fällen keine Chance. Schlimmer noch, Unit Tests die mich vor Fehlern schützen, darf ich ohne eine direkte Weisung nicht mal schreiben. Natürlich kann und will nicht jeder Selbstständig werden, aber es gibt auch gute Arbeitgeber. Und die können von uns in Szene gesetzt und mit der Community verbunden werden.

Fazit zum Vollgas, wenn der Kunde das sagt – macht es einfach nicht und Morgen ist auch noch mal ein Tag

Wenn wir mal “Nein” sagen, dann werden wir nicht gleich am nächsten Tag gefeuert und in Armut an Hunger sterben. Unsere Lebensläufe werden auch nicht bunt oder verlieren an Wert, wenn wir uns für ethische Werte und gute Arbeitsergebnisse einsetzen. Das kann nur in Organisationen der Fall sein, in denen viele Stunden nicht abgerechnet werden und für den Kunden auf Kosten eurer Lebensqualität alles getan wird. Wir sind mehr Wert und dürfen uns nicht so behandeln lassen. Bitte bleibt nicht in schlechten Arbeitsbedingungen hängen und lasst euch runter ziehen. Meldet euch, sprecht darüber und lasst uns alle gemeinsam Lösungen und Wege finden.

4 Kommentare

Tutorials und Top Posts

4 Kommentare

Veit 15. Oktober 2019 - 10:54

Eigentlich ein Alter Hut….
Nur eigenständig agierende Menschen, die in einem Umfeld arbeiten, dass auch langfristig intrinsisch motivierend wirkt, bringen eine gute Leistung.
Hier ist bei vielen Unternehmen Umdenken erforderlich, um das Projektmanagement partizipativer und durchlässiger zu gestalten.

Reply
Stefan Scholz 15. Oktober 2019 - 17:18

Hi Roland, interessantes Thema,

aber

„Leute drücken geht nur in der Festanstellung, es sei denn wir werden unsere eigenen Chefs “

ist dann aber doch ganz schön platt, findest du nicht?

Freelancer sein ist nicht das Allheilmittel für zuviel Arbeitslast und Stress, im Gegenteil: In einem guten Team, und das findest du vorrangig in einer Festanstellung, hast du eben auch das soziale Netz der Kollegen welches auch mal stützt wenns eng wird. Und im Gegensatz zur der von dir gepriesenen Startup Szene kann dir eine Festanstellung auch planerische Sicherheit für die Zukunft geben. Ob dein Start-Up im nächsten Quartal noch die Finanzmittel erhält die es benötigt um sich einen Freelancer zu leisten, macht deine Zukunft spannend, aber nicht sicher.

Grüße aus Mannheim.
Stefan@UEBERBIT

Reply
Tim Bischoff 17. Oktober 2019 - 7:52

Ja sehr guter Artikel. Wir brauchen mehr Arbeitgeber mit Werten. Als Lösung würde sich anbieten im Entwicklerteam neben gemeinsame Konventionen auch Werte zu definieren. Die Werte verschriftlichen und nach Außen kommunizieren. Wenn ein Auftraggeber gegen diese Werte verstößt auch Nein sagen lernen.

Reply
Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz in der IT - Wir müssen "Nein" sagen 27. Oktober 2019 - 11:55

[…] leidenschaftslos und ohne eine Innovation rausgehauen. Der Grund ist dabei am Ende immer gleich. Der Kunde will das so. Und das ist ja an für sich einfach schon ein Umstand, der im Jahr 2019 doch völlig überholt […]

Reply

Gib uns Feedback

Diese Seite benutzt Cookies. Ein Akzeptieren hilft uns die Seite zu verbessern. Ok Mehr dazu