Adam Wathan feuert 75% seines Teams: Wie KI-Assistenten Tailwind CSS in 6 Monaten fast zerstört hätten

Von Roland Golla
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Schmelzendes Tailwind-Logo, KI-Hand drückt es aus, drei Entwickler gehen fort

„Wir hatten noch sechs Monate“ – mit diesen Worten beschreibt Adam Wathan, CEO von Tailwind Labs, den dramatischen Absturz seines Unternehmens. Der Gründer des weltweit beliebtesten CSS-Frameworks musste 75% seines Engineering-Teams entlassen. Der Schuldige? GitHub Copilot, Claude Code und ChatGPT. Was bedeutet das für euch als Entwickler und für die gesamte Open-Source-Welt?

Was ist bei Tailwind Labs passiert?

Am 6. Januar 2026 musste Adam Wathan drei von vier Entwicklern entlassen. In einem emotional aufgeladenen GitHub-Kommentar sprach er vom „brutalen Einfluss“, den KI auf sein Business hatte. Das Paradoxe: Tailwind CSS ist beliebter denn je – mit 75 Millionen Downloads pro Monat. Trotzdem brach der Umsatz um fast 80% ein.

„Traffic to our docs is down about 40% from early 2023 despite Tailwind being more popular than ever“, schrieb Wathan. Die Dokumentation war der einzige Weg, wie Nutzer von den kostenpflichtigen Produkten erfuhren.

Warum hat Wathan den Pull Request abgelehnt?

Ein Entwickler hatte im November 2025 einen Pull Request eingereicht, der die Tailwind-Dokumentation für KI-Modelle optimieren sollte – ein sogenanntes llms.txt-Endpoint. Der PR lag zwei Monate unbearbeitet. Einen Tag nach den Entlassungen schloss Wathan ihn mit einer Erklärung, die viral ging.

Seine Begründung: Wenn LLMs die Docs noch einfacher lesen können, besuchen noch weniger Menschen die Website. Weniger Website-Besucher bedeuten weniger zahlende Kunden. Weniger Kunden bedeuten: Tailwind CSS wird zur „unmaintained abandonware“.

Die Community war gespalten. Über 1.000 positive Reaktionen auf Wathans Erklärung standen heftige Kritik gegenüber. Der Thread musste schließlich gesperrt werden.

Wie haben KI-Assistenten das Geschäftsmodell zerstört?

Das Geschäftsmodell von Tailwind Labs funktionierte jahrelang perfekt: Entwickler googelten eine CSS-Frage, landeten auf der Dokumentation, entdeckten dort Tailwind UI und kauften Komponenten.

Jetzt fragt ihr Copilot direkt in der IDE:

// Prompt an GitHub Copilot:
// Erstelle einen responsiven Hero-Section mit Tailwind CSS

<section class="bg-gradient-to-r from-blue-600 to-purple-600 py-20">
  <div class="container mx-auto px-4 text-center">
    <h1 class="text-4xl md:text-6xl font-bold text-white mb-6">
      Willkommen
    </h1>
    <p class="text-xl text-blue-100 mb-8 max-w-2xl mx-auto">
      Eure Beschreibung hier
    </p>
    <button class="bg-white text-blue-600 px-8 py-3 rounded-full font-semibold hover:bg-blue-50 transition">
      Jetzt starten
    </button>
  </div>
</section>

Kein Dokumentations-Besuch. Keine Werbung gesehen. Kein Kauf. Multipliziert das mit Millionen von Entwicklern weltweit.

Warum trifft es ausgerechnet Tailwind so hart?

Tailwind CSS ist zum Opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Das Framework ist so weit verbreitet, dass jedes KI-Modell damit trainiert wurde. Claude, ChatGPT, Copilot – sie alle kennen Tailwind auswendig.

Die Ironie: Je populärer Tailwind wird, desto besser wird der KI-generierte Code, desto weniger brauchen Entwickler die originale Dokumentation.

„I feel like a fucking idiot for somehow being able to build this CSS framework that’s taken over the world… but I can’t figure out how to have it make enough money that eight people can work on it“, gestand Wathan in seinem Podcast.

Ist Tailwind CSS jetzt am Ende?

Nein – aber es war knapp. „If absolutely nothing changed, then in about six months we would no longer be able to meet payroll obligations“, erklärte Wathan.

Nach dem viralen GitHub-Thread kam Hilfe aus unerwarteter Richtung: Vercel CEO Guillermo Rauch kündigte an: „Vercel will be officially sponsoring tailwindcss.com.“ Auch Google AI Studio wurde Sponsor.

Die Tech-Industrie hat verstanden: Wenn fundamentale Infrastruktur wie Tailwind stirbt, haben alle ein Problem.

Was bedeutet das für andere Open-Source-Projekte?

Tailwind ist kein Einzelfall, sondern ein Warnsignal. Jedes Open-Source-Projekt, das sich über Dokumentations-Traffic, Premium-Versionen oder Schulungen finanziert, steht vor dem gleichen Problem.

Stack Overflow hat bereits massive Traffic-Einbrüche erlebt. News-Websites kämpfen mit dem gleichen Phänomen. Die Entwickler, deren Code KI-Modelle trainiert hat, sehen davon keinen Cent.

„Just imagine if the most popular and widely used CSS framework is in such bad shape, how the others must be faring“, kommentierte Microsoft-Entwickler Marcos Rivas.

Solltet ihr weiterhin auf Tailwind CSS setzen?

Ja – gerade jetzt. Mit der neuen Sponsor-Unterstützung von Google und Vercel ist die unmittelbare Krise abgewendet. Das Framework bleibt der De-facto-Standard für Utility-First-CSS.

Was sich ändert: Ihr solltet aktiv Open-Source-Projekte unterstützen, die ihr nutzt. Sponsoring, Contributions, oder das Buchen offizieller Schulungen – alles hilft.

Wie könnt ihr euch als Entwickler positionieren?

Die Entwickler, die in dieser neuen Welt erfolgreich sein werden, sind nicht die, die blind KI-Code kopieren. Es sind die, die verstehen, was die KI generiert.

Unser Rat:

# 1. Tailwind-Grundlagen beherrschen
npm install -D tailwindcss
npx tailwindcss init

# 2. KI als Beschleuniger nutzen, nicht als Ersatz
# Code-Review bleibt essentiell

# 3. Accessibility nicht vergessen - KI vergisst das oft
npm install -D @axe-core/cli

Was lernen wir aus der Tailwind-Krise?

Die Tailwind-Krise zeigt uns die dunkle Seite der KI-Entwicklung. Projekte werden ausgesaugt, ohne dass die Maintainer profitieren. Das Web, wie wir es kennen, verändert sich fundamental.

„The World Wide Web as we’ve known it is fading away, and Tailwind’s story shows just how fast it can happen.“

Aber es gibt auch Hoffnung: Die Reaktion der Community zeigt, dass wir bereit sind, wichtige Projekte zu unterstützen – wenn wir verstehen, wie kritisch die Lage ist.

Fazit: Der Weckruf für die gesamte Tech-Branche

Adam Wathans offene Worte haben eine überfällige Diskussion angestoßen. KI-Assistenten machen uns produktiver, aber sie gefährden die Infrastruktur, auf der alles aufbaut.

Als Entwickler und Entscheider müsst ihr euch fragen: Welche Open-Source-Projekte nutzt ihr täglich? Und was tut ihr, um sicherzustellen, dass es sie morgen noch gibt?

Bei Never Code Alone beschäftigen wir uns seit über 15 Jahren mit Softwarequalität, Open Source und nachhaltigem Technologie-Einsatz. Wenn ihr Fragen habt, wie ihr euer Team auf diese neue Realität vorbereitet – vom Umgang mit KI-Tools bis zur sinnvollen Open-Source-Strategie – meldet euch bei uns.

Kontakt: roland@nevercodealone.de

Die Zukunft der Webentwicklung wird gerade neu geschrieben. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sie für alle funktioniert.

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